Lead: Ein staatlich geförderter Industriestrompreis („Industriestrompreis“) gilt als zentrales Element, um die Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Industrie in Deutschland zu sichern. Doch noch fehlen konkrete Beschlüsse – der Pfad ist grob skizziert, nicht aber ausgemacht.
Wo die Dinge stehen
Der durchschnittliche Strompreis für die Industrie lag 2024 bei rund 16,99 ct/kWh inkl. Steuern, Abgaben und Umlagen. Parallel publiziert die Bundesnetzagentur einen neuen Index zur Entwicklung der Industriestrompreise („SMARD-Index“), der erstmals Transparenz schafft.
Politisch sind bereits Teilmaßnahmen beschlossen: So plant die Bundesregierung eine Entlastung der Übertragungsnetzentgelte ab 2026 mit einem Zuschuss von 6,5 Mrd. €. (Quelle: Bundesregierung). Zudem soll die Stromsteuerermäßigung für das produzierende Gewerbe fortgeführt werden.
Doch: Ein formaler Preisdeckel für ausgewählte Branchen (z. B. 6 ct/kWh bis 2030) – wie vielfach diskutiert – ist noch nicht gesetzlich verankert.
Europarechtliche Rahmenbedingungen
Die Europäische Kommission hat grundsätzlich signalisiert, dass befristete Beihilfen im Strompreis für die Industrie zulässig sind – unter Bedingungen wie Ziel- und Zeitgebundenheit sowie Verhältnismäßigkeit. Damit sind mögliche Subventionen machbar – aber nicht beliebig.
Wirkung, Chancen & Risiken
Chancen:
- Ein Preisdeckel könnte energieintensive Unternehmen entlasten und Investitions- sowie Standortsicherheit schaffen.
- Bereits beschlossene Entlastungen (Steuern, Netzentgelte) senken Kosten messbar – etwa laut Studie könnte eine Netzentgelt-Intervention Preise um bis zu ~4 ct/kWh senken.
Risiken:
- Ohne klare Befristung besteht die Gefahr dauerhafter Subventionen und Verzerrungen des Wettbewerbs.
- Nicht alle Unternehmen profitieren gleich – kleine Betriebe oder nicht energieintensive Branchen könnten außenvor bleiben.
- Der Deckel darf unter europäischen Vorgaben nicht „unter den Großhandelsmarktpreis“ fallen – sonst drohen rechtliche Probleme.
Was bedeutet das für Unternehmen?
- Prüfen Sie jetzt Förder- und Entlastungsfenster (z. B. Netzentgelte, Stromsteuer).
- Planen Sie langfristig: Investitionen in Effizienz, Grünstrom-Verträge (PPAs) und flexible Lasten werden zunehmend wichtig.
- Szenario-Planung: Auch wenn ein Preisdeckel kommt, bleibt ein Mix aus Marktpreis, Entlastung und Eigenoptimierung relevant.
Ausblick
Bis zum Jahreswechsel 2025/26 gilt es als wahrscheinlich, dass eine Entscheidung über einen Industriestrompreis fällt. Entscheidend wird sein, wie genau die Bedingungen aussehen – welche Branchen, welcher Zeitraum, welche Höhe des Preises. Für Politik und Wirtschaft heißt es: Jetzt Gestaltungsspielraum nutzen, aber zugleich kritische Weichen stellen.
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