CBDC: Logischer Schritt oder überflüssig?

August 1, 2023
Wolfgang Richter

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El Salvador hat bereits den Bitcoin als offizielles Zahlungsmittel eingeführt, China testet aktuell den E-Yuan und auch die Europäische Zentralbank untersucht die mögliche Einführung eines digitalen Euros. Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether sind nicht von Zentralbanken ausgegeben und deshalb kein offizielles Zahlungsmedium wie der Euro oder US-Dollar. Daher stellen sich Experten in Bezug auf die sogenannten Central Bank Digital Currencies (CBDCs) viele Fragen.

Wird das digitale Geld für den allgemeinen Gebrauch bereitgestellt und wie sollen die Konditionen dafür aussehen? Welche Technologie könnte verwendet werden? Denkbar wäre Blockchain, aber auch eine konventionelle Datenbank. Wie könnte das Zusammenspiel von CBDCs und privat ausgegebenen Kryptowerten funktionieren?

Vermeintliche Vorteile

Im Augenblick steht im Zentrum der Diskussion die Frage, wie CBDCs vom Verbraucher zu verwenden sind. Insbesondere wird über eine Obergrenze diskutiert, die Konsumenten an CBDCs zur Verfügung haben sollen, beispielsweise 3.000 Euro.

Tatsächlich geht aber dieser Teilaspekt der Diskussion an der wesentlichen Sache vorbei: Zum einen können bereits heutzutage einfache Zahlungsvorgänge mühelos mit traditionellen Mitteln durchgeführt werden. Als bestes Beispiel können Kunden mit Apple Pay ihr Mobiltelefon mit einem Doppelklick betätigen, und schon akzeptiert das Kreditkartenterminal das Zahlungsmedium. Und die Einführung von CBDSs würde vor allem Zahlungsvorgänge von Konsumenten betreffen – hier wird durch die Möglichkeit, mit digitalem Zentralbankgeld zu bezahlen, kein nennenswerter Mehrwert geschaffen. Es ist nicht erkennbar, warum die vielfältigen und einfach durchzuführenden Online-Zahlungsvorgänge mittels PayPal etc. im Konsumentenbereich durch den digitalen Euro ergänzt werden müssen. Einfacher oder sicherer als bestehende Systeme wird er kaum sein

Mit der Zeit gehen?

Jedoch haben Kryptowährungen in der Abbildung der sogenannten Real World Assets, also der real existierenden Vermögenswerte, eine große Bedeutung weit jenseits der oben aufgeführten konsumentenbezogenen Wertgrenzen. Denn wir erleben jetzt, dass Schritt für Schritt real existierende Vermögenswerte tokenisiert werden, seien es Immobilien, Unternehmensanteile, Kunstgegenstände, Cash Flows und andere.

Tokenisierung bedeutet, dass der Vermögenswert über einen auf der Blockchain-Technologie basierenden Token repräsentiert und dadurch plötzlich fungibel, also einfach übertragbar, wird. Damit diese Vermögenswerte im Handel verwendet, als Sicherheit hinterlegt oder für andere Zwecke genutzt werden können, ist von großer Bedeutung, dass diese Transaktionen über ein wertstabiles digitales Gut abgewickelt werden.

Denn die Volatilität wird nur dann aus dem Vorgang genommen, wenn das Zahlungsmedium selbst keinen raschen Preisschwankungen unterworfen sein kann, anders als etwa bei Bitcoin oder Ether. Diese Zahlungsfunktion übernehmen sogenannte Stable Coins, die sich aktuell meist am US-Dollar orientieren. Es gibt weltweit verschiedene Konzepte und auch erste Versuche, einen schlagkräftigen Euro Stable Coin anzubieten. Grundsätzlich funktionieren Stable Coins auf der Basis von Sicherheiten – ein Punkt, mit dem sich auch die vor Kurzem vom Europäischen Parlament verabschiedete MiCARVerordnung beschäftigt.

CBDCs vs. Stable Coins

Mit privatwirtschaftlich ausgegebenen Stable Coins würden die Digital Currencies der Zentralbanken direkt konkurrieren. Um eine echte Alternative zu sein, müssten die CBDCs allerdings ebenso wie Stable Coins in Wallets, den Tools beziehungsweise Apps für den Handel von Token, transferiert und gehalten werden können.

Voraussetzung für einen effektiven Einsatz ist darüber hinaus ohne Frage, dass es keine Größenbegrenzung – wie aktuell diskutiert – gibt. Trotz dieser Überlegungen ist aktuell nicht erkennbar, welchen schlagkräftigen Vorteil CBDCs gegenüber gut unterlegten Stable Coins haben sollten. Aus Sicht von Unternehmen wäre es allerdings sicherlich ein kleiner Vorteil, sie als Alternative verfügbar zu haben. Hierbei ist es sinnvoll, die wesentliche Funktion von Währungen im Blick zu behalten: Währungen gewähren eine „potenzielle Zukunft“.

Den Euro selbst können wir heute nicht essen oder unsere Wohnungen direkt damit heizen, wir können ihn aber morgen dafür verwenden, uns Essen zu kaufen oder eine warme Jacke. Auch die jetzigen Kryptowährungen leisten nichts anderes, sie erlauben uns – vielleicht –, morgen Essen oder eine warme Jacke zu kaufen. Das „vielleicht“ zeigt an, dass bei einem volatilen Vermögenswert wie einem Bitcoin oder einer Unternehmensaktie morgen möglicherweise mehr oder weniger „Zukunft“ möglich sein wird.

Fazit

Unter dem Strich können privatwirtschaftlich organisierte Stable Coins also sehr wohl interessanter sein als Zentralbankgeld, weil sie möglicherweise eine bessere Wertperspektive aufweisen können, je nach gewünschtem Anforderungsprofil für den Nutzer. Man darf gespannt sein, welche attraktiven Konzepte dazu bald entwickelt werden.

Dieser Artikel wurde erstmals am 05.06.2023 von gi Geldinstitute veröffentlicht. Sie finden den Originalartikel hier: https://www.geldinstitute.de/trends/2023/06/cbdc–logischer-schritt-oder-ueberfluessig-.html